2. September 2026

291.000 im VOD – und 181 Tage später das Aus: RTL muss diese Fragen beantworten

RTL feierte für „Unter uns“ im März einen VOD-Spitzenwert. Knapp sechs Monate später endet die Produktion. Was erklären die Zahlen – und welche Fragen bleiben offen?

Leuchtende orange Datenkurve neben beleuchteten Wohnungsfenstern – Kampagnenmotiv zu #NichtOhneUnterUns
Originales Kampagnenmotiv: Reichweite braucht eine Zukunft.

Am 3. März 2026 feierte RTL selbst einen starken digitalen Wert für „Unter uns“: 291.000 Menschen erreichte die Serie in der VOD-Messung der Kalenderwoche 8 – der zweitbeste Wochenwert seit Beginn der Messung. Knapp sechs Monate später ist klar: RTL setzt die Produktion zum Jahresende nicht fort.

Das ist kein Versuch, Zahlen schönzureden. Es ist die Frage nach Konsequenz: Wie kann ein Sender einen außergewöhnlichen Streamingwert als Erfolg herausstellen und anschließend die Nutzung des Formats als Teil der Absetzungsbegründung nennen, ohne offenzulegen, wie diese Entscheidung zustande kam?

Die Zahl, die RTL selbst veröffentlicht hat

Die RTL-Pressemitteilung vom 3. März bezieht sich auf die Kalenderwoche 8 (16.–22. Februar 2026) und auf die kumulierte VOD-Nettoreichweite. Das ist keine klassische Einschaltquote und auch keine tägliche Zuschauerzahl, sondern die Zahl der Menschen, die ein Format in dieser Woche on demand erreicht hat.

Programmmarke Rang im privaten VOD-Ranking VOD-Nettoreichweite
Gute Zeiten, schlechte Zeiten 4 0,802 Mio.
Alles was zählt 14 0,440 Mio.
Unter uns 19 0,291 Mio.

Entscheidend: RTL bezeichnete die 291.000 für „Unter uns“ ausdrücklich als zweitbestes Ergebnis seit Messbeginn. Das ist kein Allzeitrekord – aber ein offizieller Bestwert, den RTL in einer Erfolgsmeldung prominent hervorhob.

Die gesamte Top-20-Liste stammt von RTL und basiert auf AGF Videoforschung. Wir übernehmen daraus bewusst nur die für die drei RTL-Dailys relevanten Vergleichswerte und verlinken die vollständige Primärquelle unten. So bleiben Zahlen, Zeitraum und Messmethode nachvollziehbar.

181 Tage: von der Erfolgsmeldung zur Absetzung

Vom 3. März bis zum 31. August liegen 181 Tage. Die offizielle RTL-Seite zur Entscheidung wurde am 2. September veröffentlicht – das sind 183 Tage. Beides ist knapp ein halbes Jahr, nicht exakt sechs Monate. Diese Genauigkeit ist wichtig, weil wir für unsere Petition nur mit belastbaren Fakten argumentieren.

RTL nennt für die Entscheidung drei große Kategorien: wirtschaftliche Rahmenbedingungen täglicher Fiction, die Entwicklung der Nutzung und die künftige Ausrichtung des Nachmittags und frühen Vorabends. Das sind mögliche Entscheidungsfaktoren. Eine nachvollziehbare Begründung, wie sie bei einer Marke mit mehr als drei Jahrzehnten Geschichte angebracht wäre, sind sie noch nicht.

Was diese Daten beweisen – und was nicht

291.000 VOD-Kontakte in einer Woche beweisen nicht automatisch, dass eine tägliche Serie rentabel ist. Reichweite allein ist keine Kostenrechnung. Wer das behauptet, vereinfacht zu stark.

Umgekehrt beweist die Zahl aber sehr wohl, dass „Unter uns“ keine unsichtbare, bedeutungslose Marke ist. Sie zeigt ein Format mit messbarer digitaler Nutzung und einem für RTL dokumentierten Spitzenwert. Gerade deshalb reicht der Satz „veränderte Rahmenbedingungen“ nicht als Ende der Debatte.

Auch eine vermeintliche Gesamtzahl von „rund einer Million Menschen täglich“ lässt sich aus dieser Pressemitteilung nicht seriös ableiten: Der VOD-Wert ist ein Wochenwert und darf nicht einfach mit linearen Tagesreichweiten addiert werden. Eine starke Kampagne muss präziser sein als die Gerüchte, gegen die sie antritt.

Die Fragen, die RTL beantworten sollte

  1. Welche messbaren Ziele musste „Unter uns“ am Sendeplatz und auf RTL+ erreichen – und welche davon wurden verfehlt?
  2. Wie wurden VOD, Vorab-Streaming und lineare Nutzung in der Entscheidung gemeinsam gewichtet?
  3. Welche konkreten Alternativen wurden mit UFA für eine Fortführung bei RTL, RTL+ oder einem anderen Partner geprüft?
  4. Welchen publizistischen und wirtschaftlichen Wert misst RTL einer etablierten täglichen Fictionmarke jenseits eines einzelnen Tagesmarktanteils bei?
  5. Warum wird ein zweitbester VOD-Wert als Erfolg kommuniziert, wenn die spätere Entscheidung der Öffentlichkeit nicht erklärt, welche Rolle diese Entwicklung tatsächlich gespielt hat?

Keine Unterstellung. Eine Forderung nach Transparenz.

Wir behaupten nicht, den internen Grund zu kennen. Das wäre unseriös. Aber genau dort liegt der Punkt: Wenn wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend waren, müssen RTL und UFA nicht jede vertrauliche Zahl veröffentlichen. Sie sollten jedoch nachvollziehbar sagen, welche Perspektiven geprüft wurden, welche Maßstäbe galten und warum die nachweisbare Bindung des Publikums nicht für eine neue Lösung gereicht hat.

„Unter uns“ ist nicht nur ein Platz im Sendeplan. Die Serie steht für Geschichten, Arbeitsplätze, eine eingespielte Produktion und für Menschen, die seit Generationen mit der Schillerallee verbunden sind. Die UFA will Perspektiven für die Marke prüfen. Genau dafür muss jetzt sichtbar werden, wie groß diese Gemeinschaft ist.

Unsere Forderung bleibt: Keine vorschnelle Beerdigung einer starken Marke. Alle realistischen Zukunftsmodelle müssen offen geprüft werden – mit RTL, UFA, Cast, Crew und dem Publikum.

Jetzt die Unterstützungs-Petition unterschreiben →


Daten & Quellen: RTL Media Hub, Pressemitteilung vom 03.03.2026 (VOD-Ranking KW 8, AGF Videoforschung) · RTL, Absetzungsmitteilung vom 02.09.2026. Titelbild: originales Kampagnenmotiv, 2026.

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